Art

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Art [a:ɐ̯t], die; -, -en:
1. <ohne Plural> angeborene, jmdm. innewohnende Eigenart, Beschaffenheit:
ihre frische Art gefiel allen; es war nicht ihre Art, voreilig Schlüsse zu ziehen; das entspricht nicht seiner Art.
Syn.: Charakter, Individualität, Natur, Naturell, Temperament, Typ, Veranlagung, Wesen.
Zus.: Gemütsart, Sinnesart, Wesensart.
2. Weise des Sichverhaltens, Gewohnheit im Handeln:
er hat eine unangenehme Art zu fragen; es gibt verschiedene Arten, darauf zu reagieren; auf diese Art kommst du nie ans Ziel; sie tat dies in ihrer gewohnten Art.
Syn.: Benehmen, Form, Gehabe (abwertend), Haltung, Manier.
Zus.: Lebensart.
3.
a) durch bestimmte Merkmale, Eigenschaften gekennzeichnete Qualität, Beschaffenheit, durch die sich jmd./etwas von anderen gleicher Sorte unterscheidet:
jede Art von Gewalt ablehnen; alle Arten von Blumen; er ist ein Verbrecher übelster Art; Antiquitäten aller Art.
Syn.: Gattung, Genre, Kaliber (ugs.), Kategorie, Spezies (geh.; ironisch), Zweig.
Zus.: Machart, Sportart, Wortart, Zubereitungsart.
b) (Biol.) Einheit im System der Tiere und Pflanzen, in der Individuen zusammengefasst sind, die in allen wesentlichen Merkmalen übereinstimmen und untereinander fruchtbare Nachkommen hervorbringen können:
diese Art ist ausgestorben.
Syn.: Spezies.
Zus.: Getreideart, Pflanzenart, Tierart.

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Art 〈f. 20
1. Weise, Eigenart, Eigentümlichkeit
2. Beschaffenheit, Wesen
3. Gattung, Sorte, Typus
4. Brauch, Gewohnheit
5. Benehmen, Verhalten
6. etwas Ähnliches (wie)
7. 〈biolog. Systematik〉 grundlegende Kategorie, die im System der Pflanzen u. Tiere die Gesamtheit aller Individuen bezeichnet, die eine potenzielle Fortpflanzungsgemeinschaft bilden, d. h. fruchtbare Nachkommen zeugen können: Species; Sy Spezies (1)
● diese \Art Leute ist unangenehm; der Stoff ist (so) eine \Art Taft ● er hat eine \Art, mit Menschen umzugehen, die ihm sofort Freunde gewinnt; er hat ihn verprügelt, dass es (nur so) eine \Art hatte 〈umg.〉 er hat ihn tüchtig verprügelt; er hat eine \Art zu sprechen, zu lachen wie sein Vater ● Gemüse aller \Art(en); die beste, einfachste \Art, etwas zu tun; er hat (so) eine heitere, gewinnende \Art, dass man ihn gern haben muss; das ist keine \Art! das ist kein Benehmen, so etwas tut man nicht; es ist eigentlich nicht seine \Art, so zu handeln; er zeigt seine Dankbarkeit auf seine \Art ● kannst du es nicht auf eine andere \Art versuchen?; auf gute \Art mit jmdm. auskommen, fertigwerden; aus der \Art schlagen sich anders entwickeln, als zu erwarten war (von Lebewesen); dieses Gebäude ist einzig in seiner \Art ein solches gibt es nur einmal; ein Drama nach \Art von Goethes „Faust“; Spaghetti nach Mailänder \Art; diese Möbel sind von derselben \Art wie unsere; verschiedene \Arten von Geweben; er gehört zu der \Art von Menschen, die ... [<mhd. art „angeborene Eigentümlichkeit, Natur, Beschaffenheit, Her-, Abkunft, Art u. Weise“ <idg. *arti- „Fügung“; zu idg. *ar- „fügen, passen“]

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Art , die; -, -en [mhd. art, H. u.]:
1. <o. Pl.> angeborene Eigenart, Eigentümlichkeit; Wesen[sart], Natur, die jmdm. innewohnt:
das ist nun einmal ihre A.;
er hat eine lebhafte A.;
es lag nicht in ihrer A., war nicht ihre A., voreilig Schlüsse zu ziehen;
das entspricht nicht ihrer A.;
der Junge war von stiller A.
2. Weise, Verhaltensweise, Verfahrensweise, Gewohnheit im Handeln (häufig in intensivierender Verbindung mit »Weise«):
eine höfliche, merkwürdige A.;
es gibt verschiedene -en, darauf zu reagieren;
das ist nicht gerade die feine [englische] A. (das ist sehr unschön), wie du dich verhältst;
emotionale Ausbrüche waren nicht ihre A. (gehörten nicht zu ihren Verhaltensweisen);
er hat eine ungenierte A. zu sprechen;
das ist die einfachste A., sein Ziel zu erreichen;
auf geheimnisvolle A. verschwinden;
sie wollte auf natürliche A. leben;
das ist die rechte A. und Weise;
(Sprachwiss.:) Umstandsbestimmung der A. und Weise;
auf die eine oder andere A. und Weise (so oder so);
auf unterschiedliche -en und Weisen;
in der A. [von] (im Stil, wie);
nach A. (jmdm. entsprechend; wie es irgendwo, bei jmdm. üblich ist: Eintopf nach A. des Hauses).
3. <o. Pl.> (ugs.) gutes Benehmen:
das ist doch keine A.!;
was ist denn das für eine A.? (was soll das?);
ist das vielleicht eine A.? (gehört sich das?);
… dass es [nur so] eine A. hat (wie es kaum besser sein könnte).
4.
a) besondere, bestimmte Sorte von etw.:
alle -en von Blumen;
jede A. von Gewalt ablehnen;
Antiquitäten aller A.;
er ist ein Verbrecher übelster A.;
einzig in seiner A. sein;
b) (Biol.) Einheit im System der Tiere u. Pflanzen, in der Individuen zusammengefasst sind, die in allen wesentlichen Merkmalen übereinstimmen u. die untereinander fruchtbare Nachkommen hervorbringen können:
diese A. ist ausgestorben;
eine A. [von] (etwas Ähnliches wie: eine A. Ratgeber; eine A. grober Schotter/(geh.:) groben Schotters/von grobem Schotter; der Weg war mit einer A. grobem Schotter/(geh.:) groben Schotters/von grobem Schotter befestigt);
aus der A. schlagen (anders als die übrigen Familienangehörigen sein; urspr. zu mhd. art = Geschlecht);
in jmds. A. schlagen (einem seiner Verwandten ähneln).

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I
Art
 
[mittelhochdeutsch »Herkunft«], lateinisch speci|es,  
 1) allgemein: 1) angeborene Eigenart, Eigentümlichkeit, Wesensart; 2) Verhaltensweise, Verfahrensweise, Gewohnheit.
 
 2) Biologie: Spezi|es, eine Gruppe von Individuen oder Populationen, die sich miteinander fortpflanzen können und somit Anteil an einem gemeinsamen Genpool haben (Biospezies-Begriff). Aufgrund genbedingter physiologischer und morphologischer Ursachen (Isolationsmechanismus; Sterilitätsbarrieren) sind unter natürlichen Bedingungen Kreuzungen zwischen nahverwandten Art die Ausnahme (Artkreuzung, z. B. in Überlappungszonen der jeweiligen Verbreitungsgebiete), und die entstehenden Artenbastarde sind häufig unfruchtbar (z. B. Pfefferminze, Maultier, Maulesel). Die Art ist demnach die erste Einheit in der systematischen Gliederung der Organismen. Von der Biospezies-Definition nicht abgedeckt werden Arten, die sich ausschließlich ungeschlechtlich, eingeschlechtlich (z. B. durch Jungfernzeugung) oder selbstbefruchtend (Zwitter) fortpflanzen. Für derartige Organismen findet die auch in der Paläontologie gebräuchliche typologische Artendefinition Anwendung: eine Gruppe von Individuen, die in einer höchstmöglichen Anzahl morphologischer Merkmale übereinstimmt (Morphospezies-Begriff). Man unterscheidet monotypische und polytypische Arten, je nachdem, ob die Art eine oder mehrere Rassen umfasst.
 
Zur Bezeichnung der Art dient die von C. von Linné 1735 erstmals vorgeschlagene binäre Nomenklatur, wonach eine Art (z. B. Gummibaum - Ficus elastica) durch den allgemeinen Gattungsnamen (Ficus) und den unterscheidenden (adjektiv.) Artnamen (elastica) gekennzeichnet wird.
 
Die Entstehung einer Gruppe von einander ähnlicher Individuen, die mit ihren kennzeichnenden Merkmalen in bestimmte Umgebungen passt und die physiologisch von jeder anderen Gruppe getrennt ist, nennt man Artenbildung (Speziation). Voraussetzung der allopatrischen Artenbildung ist die Aufspaltung einer phylogenetischen Linie in geographisch voneinander isolierte Populationen und nachfolgende getrennte Weiterentwicklung. Die verschiedenen Umweltfaktoren führen zu unterschiedlich verlaufenden Ausleseprozessen bei diesen Teilpopulationen und damit langfristig zu den genetisch fixierten morphologischen und physiologischen Unterschieden, die diese Teilpopulation als neue Art abgrenzen. Artenbildung ohne vorherige geographische Isolation von Teilpopulationen, durch rein ökologische oder sexualphysiologische Isolation (sympatrische Artenbildung), wird nach heutigem Kenntnisstand als sehr unwahrscheinlich angesehen.
 
 
 
E. Mayr: Artbegriff u. Evolution (a. d. Engl., 1967);
 V. Grant: Artbildung bei Pflanzen (a. d. Amerikan., 1976);
 
Vom Ursprung der A., hg. v. H. Querner (51977);
 Ch. Darwin: Die Entstehung der A. durch natürl. Zuchtwahl (a. d. Engl., Nachdr. 1984);
 R. Willmann: Die A. in Raum u. Zeit. Das Artkonzept in der Biologie u. Paläontologie (1984).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Ausrottung von Arten
 
Artenschutzkonzept und Wiedereinbürgerung
 
biologische Vielfalt: Menschliche Eingriffe
 
Artensterben und Artenschutz
 
biologische Vielfalt und die Verantwortung des Menschen
 
Artenreichtum und Biodiversität: Wie viele Arten gibt es?
 
Artensterben: Gründe
 
Artensterben: Gegenmaßnahmen
 
 
 3) Logik: der Begriff, der die Wesensmerkmale einer Menge von Individuen oder Elementen einer Klasse vollständig erfasst. Im engeren Sinn ist Art die unterste Stufe des Allgemeinen, abstrahiert (Abstraktion) vom Einzelnen, untergeordnet der Gattung. Im weiteren Sinn wird jede Gattung zur Art, wenn sie einem Begriff höherer Allgemeinheit zugeordnet wird. Nach der klassischen, auf Platon und Aristoteles zurückgehenden Definitionslehre wird die Art (z. B. »Mensch«) durch begriffliche Gliederung der übergeordneten Gattung (z. B. »Lebewesen«) mithilfe des artbildenden Unterschieds (differentia specifica; z. B. »Vernünftigkeit«) bestimmt (also z. B. der »Mensch« definiert als »vernünftiges Lebewesen«).
 
 
R. Löther: Die Beherrschung der Mannigfaltigkeit: Philosoph. Grundlagen der Taxonomie (1972).
 
II
Art
 
[dt. Bild], Grafik.

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Art, die, -, -en [mhd. art, H. u.]: 1. <o. Pl.> angeborene Eigenart, Eigentümlichkeit; Wesen[sart], Natur, die jmdm. innewohnt: das ist nun einmal seine A.; sie hat eine lebhafte A.; es lag nicht in ihrer A., war nicht ihre A., voreilig Schlüsse zu ziehen; das entspricht nicht seiner A.; der Junge war von stiller A. 2. Weise, Verhaltensweise, Verfahrensweise, Gewohnheit im Handeln: eine höfliche, merkwürdige A.; es gibt verschiedene -en, darauf zu reagieren; das ist nicht gerade die feine [englische] A. (das ist sehr unschön), wie du dich verhältst; elementare Ausbrüche waren nicht seine A. (gehörten nicht zu seinen Verhaltensweisen; Loest, Pistole 153); er hat eine ungenierte A. zu sprechen; das ist die einfachste A., sein Ziel zu erreichen; auf geheimnisvolle A. verschwinden; sie wollte auf natürliche A. leben; häufig in intensivierender Verbindung mit „Weise“: das ist die rechte A. und Weise; auf die eine oder andere A. und Weise (so oder so); (Sprachw.:) Umstandsbestimmung der A. und Weise; *in der A. [von] (im Stil, wie); nach A. (jmdm. entsprechend; wie es irgendwo, bei jmdm. üblich ist): Eintopf nach A. des Hauses. 3. <o. Pl.> (ugs.) gutes Benehmen: das ist doch keine A.!; was ist denn das für eine A.? (was soll das?); ist das vielleicht eine A.? (gehört sich das?); *... dass es [nur so] eine A. hat (wie es kaum besser sein könnte). 4. a) besondere, bestimmte Sorte von etw.: alle -en von Blumen; jede A. von Gewalt ablehnen; Antiquitäten aller A.; er ist ein Verbrecher übelster A.; einzig in seiner A. sein; Spr A. lässt nicht von A. (besondere Charaktereigenschaften der Eltern werden weitervererbt); b) (Biol.) Einheit im ↑System (7 a) der Tiere u. Pflanzen, in der Individuen zusammengefasst sind, die in allen wesentlichen Merkmalen übereinstimmen u. die untereinander fruchtbare Nachkommen hervorbringen können: diese A. ist ausgestorben; *eine A. [von] (etwas Ähnliches wie): eine A. grober Schotter/(geh.:) groben Schotters/von grobem Schotter; der Weg war mit einer A. grobem Schotter/(geh.:) groben Schotters/von grobem Schotter befestigt; Ich war so eine A. Briefkastentante in meiner Klasse (Christiane, Zoo 324); Ich hatte ihn ... als eine A. Apostel ... begriffen (Denneny [Übers.], Lovers 31); Ich ... bekam jedes Mal eine A. von Lachkrampf (Andres, Liebesschaukel 60); aus der A. schlagen (anders als die übrigen Familienangehörigen sein; urspr. zu mhd. art = Geschlecht): Musste sie nicht glauben, dass sie nichts taugte, wenn ihr der Sohn missriet, aus der A. schlug (Fels, Sünden 19); in jmds. A. schlagen (einem seiner Verwandten ähneln).

Universal-Lexikon. 2012.

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